Mit 18 Jahren begleitete Steffi Boyke die Großmutter ihres heutigen Mannes im Sterben. „Ich durfte die letzten Tage und Nächte an ihrer Seite sein, in aller Stille und Demut“, erinnert sie sich. Diese Erfahrung prägte ihren Weg. Heute arbeitet die 53-jährige Bochumerin als Psychoonkologin im EvK Herne auch auf der Palliativstation.
Steffi Boyke hilft schwerkranken Menschen und ihren Zugehörigen, mit der unheilbaren Erkrankung zu leben. Sie steht auch an ihrer Seite, wenn das Loslassen-Müssen unvermeidlich wird. „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ So lautet ihr Leitspruch.
Steffi Boyke stellt sich gemeinsam mit den Betroffenen deren Ängsten, sucht mit ihnen nach Kraftquellen und unterstützt sie dabei, die verbleibende Lebenszeit so erfüllt wie möglich zu gestalten. Viele kennt sie schon lange, manche seit ihrer Erstdiagnose.
Ihr Weg in die Palliativmedizin hat viele Stationen: Studium der Sozialpädagogik, Arbeit in der Kinderonkologie, Weiterbildungen zur Psychoonkologin und systemischen Therapeutin, dazu ein Psychologiestudium. Die Mutter von vier Töchtern schöpft aus einem reichen Berufs- und Lebensweg.
Als schwer empfindet sie ihre Arbeit nicht. „Die Palliativstation ist ein Ort voller Gefühl und voller Leben – in aller Tragik,“ sagt Steffi Boyke. „Ich bin gerne hier. Von Herzen gerne.“ Ausgleich findet sie bei Spaziergängen mit Hündin Mali und in der Musik. Seit 2023 leitet die Psychoonkologin mit einer Kollegin den Chor „Ungefiltert“ für Menschen mit Krebs, Angehörige und Interessierte. Fast 40 Menschen singen dort. Und wann immer das Thema Palliativversorgung aufkommt, so sagt sie, sind die meisten überrascht, mit wie viel Lebensfreude und Lebensintensität dieser Bereich verbunden ist.