Der Tag beginnt früh für Dr. Stephanie Richter. Gegen 7 Uhr stellt sie ihr Fahrrad ab, nimmt sich eine Tasse Kaffee und setzt sich an den Rechner. Wie war die Nacht? Wem geht es schlechter, wem besser? Mit der Pflege bespricht sie Neuaufnahmen und geplante Entlassungen. Dann kommt die zweite Tasse Kaffee. Und danach das, was ihr am meisten am Herzen liegt: die Menschen.
Die 51-Jährige ist Fachärztin für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin und Notfallmedizin. Auf der Palliativstation im EvK Herne arbeitet sie mit einer halben Stelle als Stationsärztin. Gemeinsam mit dem Team visitiert sie die Patientinnen und Patienten. Sie spricht mit Angehörigen, hört zu, erklärt. Mit Sozialberatung und Psychoonkologie stimmt sie ab, was jeder einzelne Mensch braucht, der in ihrer Obhut ist.
Auch auf anderen Stationen des Hauses ist Stephanie Richters Rat gefragt, zum Beispiel dann, wenn Kolleginnen und Kollegen sie zu einem Palliativ-Konsil rufen. Einen großen Teil des Tages nimmt auch die Dokumentation ein. Die Arbeit auf der „Palli“ ist eng getaktet und voller Überraschungen. Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Zahl der Patientinnen und Patienten zudem ständig weiter gestiegen.
Das Telefon in der Tasche von Stephanies Arztkittel klingelt unablässig und will bedient werden. Doch manchmal duftet es auf dem Flur verführerisch nach Waffeln. Eine Ehrenamtliche steht am Waffeleisen. Der Duft lockt die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen aus den Zimmern auf den Flur. An solchen Tagen gönnt sich Dr. Richter eine kleine Pause und eine dritte Tasse Kaffee.
Den Weg auf die Palliativstation fand sie während ihrer Weiterbildung zur Palliativmedizinerin. Sie wollte sich beruflich neu orientieren, als sie von einer freien Stelle im EvK Herne erfuhr. Sie bewarb sich, es passte. Und es klappte. Bereut hat sie den Schritt bisher nie. „Mir gibt die Arbeit so viel! Ich habe Zeit für die Patienten, arbeite in einem tollen Team und erfahre viel Dankbarkeit von Patienten und Angehörigen“, sagt die Mutter von drei Kindern. Für sie zählt vor allem eines: „Ich sehe einen großen Sinn in dieser Arbeit.“ Wer die Palliativstation nur vom Hörensagen kennt, erwartet oft Stille, Schwere, Tränen und Trauer. Dr. Stephanie Richter jedoch erlebt etwas anderes. Ihre Botschaft ist kurz und überraschend: „Bei uns wird so viel gelacht!“