Porträtserie Folge 12: Dr. Barbara Lubenow, Leiterin der Palliativstation: „Meine Tage sind einfach viel zu kurz“

Manche Abschiede bleiben im Kopf. Wenn junge Menschen auf der Palliativstation sterben oder Familien mit Kindern Abschied nehmen, begleitet das Dr. Barbara Lubenow auch über den Dienst hinaus. Und doch ist ihre Arbeit für sie voller Sinn. „Palliativmedizin ist für mich eine besonders wichtige Tätigkeit, weil die Behandlung den ganzen Menschen in den Blick nimmt“, sagt die Medizinerin, die zum Medizinstudium nach Bochum kam und im Ruhrgebiet ein neues Zuhause fand.

Seit dem 1. April 2026 leitet die erfahrene Fachärztin für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin, spezielle Schmerztherapie, Intensiv- und Notfallmedizin die Palliativstation im EvK Herne. Das Haus kennt sie gut: Viele Jahre arbeitete sie als Oberärztin im OP, auf der Intensivstation, in der Notfallmedizin und in der Schmerzmedizin. Dort erlebte sie oft, dass Symptomlinderung und palliatives Denken zu spät begannen. Sie wünschte sich, näher am Menschen zu sein und mehr Zeit für Sorgen und Wünsche zu haben. Auf der Palliativstation hat sie diese Zeit.

Besonders am Herzen liegt ihr die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team. Medizin, Pflege, Sozialberatung, Seelsorge, Physiotherapie, Psychoonkologie und Ehrenamtliche ergänzen sich. Jede und jeder trägt etwas zur Behandlung bei. Barbara Lubenow ist es wichtig, dass sich alle gesehen und wertgeschätzt fühlen.

Auch mit ihren beiden ärztlichen Kolleginnen, den Palliativmedizinerinnen Dr. Stephanie Richter, und Dr. Verena Est arbeitet sie konstruktiv und gerne zusammen. „Unser gemeinsamer Anspruch ist: Wir lassen Menschen am Ende ihres Lebens nicht allein“, sagt Dr. Lubenow.

Ihr Wissen gibt sie weiter. Sie unterrichtet in den multiprofessionellen Kursangeboten der APPH Ruhrgebiet und leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Tanja Woiwod Weiterbildungskurse für angehende Palliativmediziner der Akademie für medizinische Fortbildung Westfalen-Lippe. Das EvK Herne ist zudem Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum. Studierende haben in Lehrvisiten auf der Palliativstation erste Kontakte zur Palliativmedizin und erfahren, wie wichtig palliative Haltung in allen medizinischen Fachgebieten ist

All diese Aufgaben erfordern Durchhaltevermögen und Kraft. Ausgleich findet Dr. Barbara Lubenow bei Reisen mit Familie und Freunden, beim Lesen, Stricken und in der Musik. Mittwochabends singt sie in der Herner Kreuzkantorei, zu wenig Zeit hat sie momentan für ihr Tenorsaxophon. Barbara Lubenow ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von 19 und 21 Jahren. Sie würde gerne noch mehr tun, doch: „Meine Tage sind einfach viel zu kurz.“