Porträtserie Folge 4 – Dr. Verena Est, Anästhesistin: Unterwegs zwischen zwei Welten

Drei Tage Intensivstation, zwei Tage Palliativstation: Dr. Verena Est (im Bild rechts) bewegt sich jede Woche zwischen zwei Welten. Die Fachärztin für Anästhesie arbeitet seit 2020 am EvK Herne. Auf der Intensivstation erlebte sie immer wieder, dass Patientinnen und Patienten zu lange therapiert wurden und Lebensqualität in der letzten Phase zuweilen aus dem Blick geriet. Das wollte sie nicht hinnehmen. Auf eigene Kosten absolvierte die gebürtige Gelsenkirchenerin die Kursweiterbildung  Palliativmedizin. Seit Jahresbeginn arbeitet sie mittwochs und donnerstags auf der Palliativstation des EvK Herne, um  praktische  Erfahrung im Bereich Palliativmedizin zu erlangen.

Auf der Palliativstation hat Dr. Verena Est gefunden, was sie gesucht hat. „Es geht darum, für den Menschen auf seinem letzten Lebensweg die bestmögliche Therapie zu gestalten“, sagt die Mittdreißigerin. Sie ist Teil eines Teams, das zuhört und sich Zeit nimmt. Deshalb kann ein Aufnahmegespräch auch mal anderthalb Stunden dauern. Pflege, Sozialberatung, Psychologie und Ärztinnen arbeiten hier Hand in Hand. Dr. Est ist ein Gewinn für alle – vor allem für die Patienten.

Der Wechsel zwischen den Welten ist herausfordernd. Er hat ihren Horizont erweitert und ihr Können verbessert. Gespräche über Tod und Sterben mit Patienten und Angehörigen führt die Ärztin auf der Intensivstation heute souveräner. „Ich nehme auf der Palliativstation alles mit, was ich kriegen kann, und bin total dankbar dafür“, sagt Dr. Est. Dafür bringt sie auch vieles mit: Empathie, Offenheit, Neugierde auf Lebensgeschichten und nicht zuletzt die Freude an der Teamarbeit.

Dr. Barbara Lubenow, ärztliche Leiterin des Palliativzentrums und selbst Anästhesistin (im Bild links), kennt Dr. Verena Est seit langem: „Verena bereichert unser multiprofessionelles Team fachlich und menschlich. Sie verbreitet Zuversicht und gute Laune. Das spüren unsere Patientinnen und Patienten. Ich bin sicher, dass sie in ihrem Berufsleben von nun an immer palliativ denken und handeln wird. Davon profitieren alle.“