Porträtserie Folge 6 – Melanie Durczewski, Pflegefachkraft: Ob Rührei, Dusche oder Bierchen – was zählt, sind die Wünsche der Patienten

Die Begegnung auf Augenhöhe, das ist für Melanie Durczewski der Kern ihrer Arbeit als Pflegefachkraft auf der Palliativstation. „Hier hat die Pflege die Qualität, die ich mir immer gewünscht habe“, erzählt sie. Die 43-Jährige aus Castrop-Rauxel ist examinierte Altenpflegerin und arbeitet seit zwei Jahren auf der Palliativstation im EvK Herne. Ihre Palliative-Care-Weiterbildung schließt sie im November ab.

Zuvor war Melanie Durczewski in der Kurzzeitpflege eines Altenheims tätig. Dass ihr dort häufig die Zeit für Menschen fehlte, belastete sie und machte sie traurig. Sie sah Bewohner einsam sterben, dabei hätte sie sich so gern in Ruhe zu ihnen gesetzt und wäre einfach nur da gewesen. Ständig wachsender Personalmangel und eine „Hopp-Hopp-Pflege“ verhinderten das.

Vor zwei Jahren entschloss sie sich zum Wechsel. Im multiprofessionellen Team der Palliativstation im EvK Herne fand sie, was ihr wichtig ist: Ruhe und Zeit für die ihr anvertrauten Menschen. „Auf der Palliativstation darf ich da sein und am Bett die Zeit geben, die unsere Patienten brauchen“, sagt sie. Ihr Mann war glücklich über den Wechsel, denn seitdem geht seine Frau wieder gern zur Arbeit.

Zu den Aufgaben von „Schwester Melanie“ gehört die Symptomkontrolle: Blutdruck, Puls, Temperatur. Ihr Ziel ist es, den Patienten für ihren weiteren Weg – sei er kurz oder länger – wieder mehr Lebensqualität zu geben. Die Autonomie der Patientinnen und Patienten steht dabei an oberster Stelle. „Ein Nein ist ein Nein“, betont sie. Wer morgens schlafen möchte, schläft. Wer sich ein Rührei, eine Dusche oder ein Bier wünscht, bekommt es.

Zu viele Menschen verwechseln eine Palliativstation mit einem Hospiz, bedauert Melanie Durzewski. Wenn Patienten von anderen Stationen auf die Palliativstation verlegt werden, kämen diese oft voller Angst auf Station an. Dabei könnten viele Patientinnen und Patienten so weit stabilisiert werden, dass sie trotz der schweren Erkrankung nach Hause zurückkehren. Eine ehemalige Patientin arbeitet heute sogar ehrenamtlich in der Krankenhausbücherei. Melanie Durczewski: „Palliativmedizin blickt ganzheitlich auf den Menschen. Der Begriff steht für Linderung, nicht für Tod und Sterben. Deshalb ist unsere Station ein Ort der Zuversicht und der Hoffnung.“