Wenn Musik die Seele berührt, rückt die Krankheit in den Hintergrund (mit Fotogalerie)

Cello und Klavier, Stuhlreihen unter dem Sonnensegel, dazu eine erfrischende Brise: Am Samstag, 11. Juli, verwandelte sich die Terrasse der Palliativstation im EvK Herne in einen Open-Air-Konzertsaal. Unter dem Titel „Kleine Auszeit“ spielte das Kölner Duo „Seelenstreicher“ Werke von Johannes Brahms, Edward Elgar, Clara und Robert Schumann. Von der samstäglich stillen Stationsterrasse aus erfüllten die beinahe märchenhaften Klänge die Patientenzimmer und stiegen vorbei an den oberen Etagen des Krankenhauses hinauf in den tiefblauen Nachmittagshimmel.

Eine Stunde lang lauschten die Zuhörerinnen und Zuhörer der Musik. Die Reihen waren gut besetzt. Patientinnen und Patienten der Palliativstation kamen mit ihren Angehörigen, auch aus dem EvK Herne folgten Kranke und ihre Familien der Einladung zum Konzert. Für ihre Gäste hatten die Stationsleitungen Nadine Kolpatzik und Cornelia Riebensahm die Terrasse perfekt ausgestattet: Im Schatten luden bequeme Stühle zum Verweilen ein. Wasser und Kaffee hielten bei der sommerlichen Hitze die Lebensgeister in Schwung.

Spenden machen Auftritt möglich
Die Idee, das Duo „Seelenstreicher“ zum Konzert einzuladen, hatte Steffi Boyke, Psychoonkologin auf der Palliativstation und Leiterin des Chores „Ungefiltert“. Die Kosten des Auftritts finanzierte der Förderverein Palliativstation im EvK Herne und Ambulanter Hospizdienst aus Spendenmitteln. Hannah Hoppmann (23) stammt aus Erding in Bayern. Sie studierte Cello am Royal College of Music in London. Mykhailo Aleinikov (21) floh nach dem russischen Überfall auf die Ukraine mit seiner Mutter aus seiner Heimatstadt Charkiw nach Deutschland. Heute studiert er Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Bei einem Meisterkurs in Dublin lernten sich Hannah und Mykhailo kennen. Seit August 2024 leben und musizieren sie zusammen.

Wertvolle Momente schenken Kraft
„Für uns ist es eine große Ehre, heute für die Palliativstation spielen zu dürfen“, sagte Hannah Hoppmann nach dem Auftritt. „Mit unserer Musik können wir etwas bewegen. Wenn wir auch nur zwei oder drei Menschen im Publikum berühren, macht das einen Riesenunterschied. Deshalb ist dieser Tag für uns ganz besonders.“ Mit seiner Kunst begeisterte das Duo auch Dr. Barbara Lubenow, Ärztliche Leiterin des Palliativzentrums im EvK, und Stationsärztin Dr. Stephanie Richter. „Musik erreicht unsere Patientinnen und Patienten dort, wo Worte oft nicht mehr hinkommen“, so die Palliativmedizinerinnen. „Wenn Musik die Seele berührt, tritt die Krankheit in den Hintergrund. Solche wertvollen Momente schenken Kraft – unseren Patienten, den Angehörigen und unserem Team.“